#Autorenwahnsinn Challenge Tag 14: Das letzte Buch, das du gelesen hast

Tag 14: Welches Buch hast du zuletzt zu Ende gelesen?

Letztes Jahr wollte ich 24 Bücher lesen. Die hatte ich im August tatsächlich durch. Daher habe ich mir ein Leseverbot erteilt, um endlich wieder in die Schreibroutine und -freude zu kommen. Daher muss ich wirklich grübeln, welches Buch das letzte war. Zum Glück verwalte ich meinen SuB (Stapel ungelesener Bücher) mittlerweile mit Excell, so dass ich die Antwort schnell herausfinde:

„Pici. Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück“ von Robert Scheer

Titel und Thema passen zueinander – beides nicht einfach. Worum es konkret geht:

Zu ihrem 90. Geburtstag interviewt der Autor Robert Scheer seine Großmutter Elisabeth Scheer, geborene Meisels, die von allen „Pici“ („die Kleine“) genannt wird. Bei einer Körpergröße von unter 1,50 m liegt der Kosename nahe. Doch nachdem ich ihre Lebensgeschichte gelesen habe, ist sie für mich eine wahrhaft große Frau.

Das Bemühen der Nazi-Schreckensherrschaft, den Juden ihre Menschenwürde, ihre Erinnerungen und ihr Leben zu nehmen, ist hier fehl geschlagen, denn dem Autor Robert Scheer gelingt es in diesem Buch, die Familie seiner Großmutter Pici wieder aufleben zu lassen. Man wird sich an Pici erinnern, an den Vater Herman Meisels und seine ruhige, kluge und tolerante Art und die Mutter Gizella, geborene Schlesinger, die fünf Kinder zur Welt brachte, vier Mädchen, Leona, Anna, Ilona und Pici und einen Jungen, Béluska. Mit kraftvoller und geschickter Hand führte sie das Familienleben und tat alles für ihre Kinder. Man wird sich erinnern an ihre Namen, ihre Eigenarten und liebenswerten Seiten, an ihre Fähigkeiten und Begabungen.
Natürlich hat meine Generation die Bilder vor Augen, die wir in der Schule über das Naziregime zu sehen bekommen haben in Filmen wie „Holocaust“ oder später „Schindlers Liste“. Ich selbst habe die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel besucht. So unfassbar für mich die Vorstellung der dort dokumentierten Gräuel sind, so unaussprechlich waren sie für Pici. Auch wenn das Buch sie im Titel trägt, nehmen sie nicht den größten Raum ein. Es gibt ein „Davor“ und ein „Danach“. Und solange dieses Buch mit dazu beiträgt, dass sich Menschen fragen, wie so etwas geschehen konnte, habe ich noch die Hoffnung, dass eine solche Schreckensherrschaft nie wieder von deutschem Boden ausgeht.

Robert Scheer: Pici. Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück, erschienen bei Martha Press. ISBN 978-3-044442-40-2

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